Ockenheim, der Weinort am St. Jakobsberg...
 
     
 
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Geschichte

Im Vergleich zu den anderen rheinhessischen Dörfern mit der "heim"-Endung wird Ockenheim relativ spät urkundlich erwähnt, ja es ist sogar streitig, wann Ockenheim erstmals urkundlich erwähnt wurde. Im "Prümer liber aureus" befinden sich zwei Urkunden, die auf Ockenheim verweisen. In einer Urkunde vom 15. Oktober 823 ist von einem huccenheim die Rede. Heinrich Beyer hat die Urkunde übersetzt und den Ort Stein-Bockenheim zugeordnet, weil er den ersten Buchstaben als kleines "b" gelesen hat. Man kann dieses kleine "b" auch als "h" lesen. Es is durchaus möglich, daß sich Beyer geirrt hat. Ein anderer Fehler von Beyer bekräftigt dies. So hat er in einer Urkunde vom 6. Februar 835 den Ort ucchenheim dem Ort Oggersheim zugeordnet, obwohl hier wohl zweifelsfrei Ockenheim gemeint ist. In dieser Urkunde geht es um einen Gütertausch zwischen der Abtei Prüm und Hagno, dem kaiserlichen Verwalter in Ingelheim. Franz Staab ordnet die Urkunde ebenfalls Ockenheim zu. Im Rahmen der Schenkung des sog. Binger Landes durch Kaiser Otto an Erzbischof Willigis auf dem Reichstag zu Verona im Jahre 983 kam Ockenheim zu Kurmainz und blieb dort bis 1798. Auf Grund seiner Lage an zwei wichtigen Straßen, Mainz - Kreuznach und Mainz - Trier, muß das kleine mittelalterliche Ockenheim im 14. Jahrhundert erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Jedenfalls mußten die Ockenheimer den Ort befestigen und eine Zollstation bauen. Als Gegenleistung, erhielten sie eine 10jährige Steuerbefreiung.

Am 21.Januar 1462 verpfändete Erzbischof Adolf von Mainz Ockenheim und andere Ortschaften an Markgraf Karl von Baden, zum Ersatz für die Kosten und Schäden, die sie bei der Hilfe gegen Erzbischof Diether von Isenburg erleiden würden. Markgraf Karl von Baden, gab am 29. August 1466 seine Rechte an den Grafen Philipp von Katzenelnbogen. Am 10. Juli 1480 wurde die Verpfändung durch den Mainzer Erzbischof Diether von Isenburg eingelöst, und der Ort kam verwaltungsmäßig an die Amtskellerei Algesheim, bei der er bis zur Französischen Revolution blieb. Im Rahmen der Bauernkriege im Jahre 1525 nahmen auch Ockenheimer an den Bauernaufständen im Rheingau teil. Nach der Niederschlagung der Revolte mußte das Dorf eine hohe Kollektivstrafe zahlen, die auf die Einwohner umgelegt wurde. Dieser Bauernaufstand war für den Mainzer Bischof Anlaß, seine linksrheinischen Gebiete vom Rheingau zu trennen. Im Jahre 1552 zerstörte Markgraf Albrecht von Brandenburg-Culmbach als Verbündeter von Frankreich mit 10.000 Söldnern "des heiligen römischen Reiches Pfaffengasse" von Mainz bis Trier. Ockenheim wurde dabei in schwere Mitleidenschaft gezogen.

Im selben Jahr schloß die Stadt Bingen mit dem umliegenden Ortschaften einen Vertrag, sich in Notlagen gegenseitig beizustehen. Hierzu erschienen im Februar 1552 "vor Amtmann und Rath der Stadt Bingen genannte Personen mit ihren Wehren aus folgenden Dörfern, wie sie in Nöthen vom Richter, Bürger und Rath gefordert werden können und leisten ihr Gelübde, der Stadt mir Kriegshilfe beizustehen.

...Ockenheim soll die Dreußpforte bauen und mit vier Mann bewachen... die gesamte Mannschaft erhält in Bingen ihre Wirthshäuser und die Dörfer genießen folgende Freiheiten: Sie sind zollfrei von allen, was sie in Bingen ein- und ausführen mit Ausnahmen des Weins. An allen Pforten sind sie gleich den Bürgern frei vom Wegegeld. Kein Auswärtiger kann sie oder ihre Bürger zu Bingen arretieren. Wird eines der Dörfer betadelt, so mögen sich die Einwohner mit Leib, Gut und Vieh nach Bingen begeben und so dort Schutz erhalten gleich den Bürgern bis zur Endschaft ihrer Fehde, dann soll ihnen alles Gut, Habe und Vieh verabfolgt werden, wenn sie auch jemanden in Bingen etwas schuldig geworden wären." Im gleichen Jahr wurde Ockenheim weiter befestigt und mit einem neuen Wall umgeben. Das Dorf konnte nur noch über drei Pforten betreten werden. Ockenheim war offensichtlich in den Verteidigungsring um Bingen einbezogen.

1630 besetzten die Schweden den Ort und zogen erst 1636 wieder ab. Während dieser Zeit fanden mehrere Scharmützel statt, die der Bevölkerung viel Not brachten. 1631 kamen die Spanier und führten wieder die katholische Religion ein, die von den Schweden abgeschafft worden war. Zur Auslösung des gefangenen Schultheißen Pfeiffer mußte die Gemeinde 222 Thaler zahlen. 1635 kamen 16.000 Franzosen in die Ockenheimer Gegend. Der Schultheiß meldete am 30. September 1635 an das Liebfrauenstift: "Als die Franzosen vor zehn Tagen ihren Weg nach Frankreich genommen und die kaiserliche Armee ihnen nachgesetzt, haben sie unseren Flecken abermals an verschiedenen Orten in Brand gesteckt - vorher hatten sie zusammengebrannt, geplündert und Greueltaten an Menschen verübt; viele flohen mehrere Stunden weit, oder versteckten sich im Keller - also, daß wohl über 90 Häuser verbrannt ohne Ställe und Scheuer. Gott weiß, wie man sich dieser Orten ernähren soll, allenthalben verkommt viel Volk und stirbt - es war wegen des Essens unreifer Trauben eine epidemische Ruhr ausgebrochen und überall Hungersnot. Wenn vor dem Herbst kein Frieden, ist es unmöglich sich hier zu erhalten."

Am 13. Januar 1636 berichtet er wieder: "Die Menschen in den umliegenden Orten sind zur Hälfte und noch mehr gestorben, allenthalben herum ist kein Priester mehr. Pfarrhof und Flecken bis auf acht Häuser verbrannt. Fremde Soldaten und auch Reichsvolk verderben alles. Soldaten schlagen die Leute sehr, daß Gott erbarm, man kann den Freund nicht von dem Feinde erkennen: sie respektieren keinen Schutzbrief mehr. Sonsten dieser Orten hängen noch viel Trauben, weil die Menschen so sehr sterben. Wegen Mangel der Früchten leiden sie großen Hunger. Viele graben sich im Felde Wurzeln. Wenn wir den neuen Wein nicht sollten erhalten, kann sich Niemanden im Ort des Hungers erwehren."


Während Ockenheim 1614 noch 91 Bürger hatte, waren es 1654 nur noch 58. Obwohl der 30jährige Krieg bereits mehr als sechs Jahre vorbei war, lagen noch zwölf Wohnplätze in Schutt und Asche. Trotz schwerster Not leisten sich die Ockenheimer 1654 bereits wieder zwei neue Glocken zum Preis von 132 Reichsthalern. Kaum hatte sich der Ort etwas erholt, wütete im Jahre 1666 die Pest, welche die Bevölkerung dezimierte. Trotzdem trafen am 26. September 1666 u.a. in der Ockenheimer Gemarkung kurfürstliche Truppen der Pfalz auf Mainzer Truppen und lieferten sich eine Schlacht, in der 6.000 bis 7.000 Pfäzer fielen, die auf dem Höhenzug südlich von Ockenheim Richtung Dromersheim gelegen hatten. Zu Beginn spielten die Soldaten der Mainzer und Lothringer das Lied "O unüberwindlicher Held S. Michael". 1689 brach Ludwig XIV. von Frankreich wegen der pfälzischen Erbfolge einen Krieg vom Zaum. Wieder litt der Ort unter Einquartierungen. Die Franzosen verwüsteten die gesamte Pfalz und Ortschaften des Kurmainzer Gebietes. Auch Ockenheim wurde teilweise niedergebrannt. Nach dem Frieden von Rjiswjik, der 1697 den Pfälzischen Erbfolgekrieg beendete, trat bis zum Ausbruch der Französischen Revolution eine gewissen Ruhe ein.

Ein bedeutsames Jahr für die Ockenheimer, das heute noch nachwirkt, war 1720. Pfarrer Caesar legte auf dem Jakobsberg den Grundstein zu einer Wallfahrtskapelle zu Ehren der 14 Nothelfer. Gleichzeitig wurde die Wallfahrt eingeführt, die sich bis heute erhalten hat. Nach der Kanonade von Valmy im Jahre 1792, nach der sich die deutschen Truppen zurückzogen, rückten die französischen Revolutionstruppen, von Landau kommen, nach Mainz vor und besetzten wiederstandslos das linksrheinische Gebiet. Sie gründeten die sogenannte Mainzer Republik, die erste Demokratie auf deutschem Boden. Es fand eine Urwahl zum Rheinisch Deutschen Nationalkonvent statt, der die Aufgabe hatte, die Angliederung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich zu beschließen. Man kann sagen, daß Ockenheim eine Hochburg der Freiheitsfreunde war. Auf dem Rathausplatz wurde ein Freiheitsbaum errichtet. Alle Wahlberechtigten hatten einen Eid auf die Freiheit zu leisten. Von 60 wahlberechtigten Bürgern nahmen 56 an der Wahl teil, die sich ausnahmslos gegen den Despotismus aussprachen. Als Deputierter für den Nationalkonvent wurde Martin Haas gewählt, der dann durch Erasmus Müller ersetzt wurde. Eine kleine Gruppe unter Führung von Pfarrer Hoch sprach sich für die Erhaltung der alten Ordnung aus. Wer sich für die Despotie entschied - so die damalige Lesart - mußte das Land verlassen.

Am 27. Februar 1793 um vier Uhr nachmittags, wurde der Pfarrer durch vier französische Reiter (Chausseurs) aus dem Pfarrhaus abgeholt und nach Mainz gebracht, weil er sich weigerte, den Eid auf die Grundsätze der Freiheit zu leisten, "was er nicht konnte und nicht wollte", wie er selbst im Pfarrbuch vermerkte. Der Anschluß an Frankreich wurde jedoch nicht wirksam, weil die Preußen unser Gebiet wieder besetzten. Die Festung Mainz fiel wieder in die Hand der Deutschen. Die Ockenheimer mußten dort Schanzarbeiten leisten. Doch nun war Ockenheim im Vorfeld der Mainzer Festung immer wieder von den Truppen besetzt, und es mußten Fouragelieferungen und Hand- und Spanndienste geleistet werden. Das Hin und Her der Kampfhandlungen ruinierte alle Ortschaften unseres Gebietes.

Erst 1798, als die Franzosen aufgrund des Vertrags von Campo Formio unser Gebiet in Besitz nahmen, trat eine gewissen Ruhe ein. Die französische Verwaltung verstand es, die großen Kriegsschäden zu mildern und eine moderne Verwaltung in den rheinhessischen Dörfern einzuführen. So wurden das Gerichtswesen rechtsstaatlich organisiert, der Code Civil als modernes bürgerliches Gesetzbuch eingeführt und die Standesämter eingerichtet. Das Schulwesen wurde neu organisiert und verbessert. Lediglich das Consriptionsverfahren machte den Ortschaften zu schaffen. Die Wehrpflichtigen mußten sieben Jahre in Napoleons Armee dienen.

Nach dem Fiasko in Rußland wurde der Kaiser 1814 geschlagen. Die rückkehrenden Truppen durchzogen unser Gebiet und brachten Epidemien mit, die auf die Bevölkerung übergriffen. Wieder mußten Lebensmittel und Fourage geliefert und die Soldaten einquartiert werden. Nachdem die Verbündeten die Kaiserlichen zurückgetrieben hatten, verlangten diese die entsprechenden Leistungen. Es machte für die Bevölkerung keinen Unterschied, ob sie Franzosen oder andere Truppen versorgen mußten. Nachdem Ockenheim 1816 hessisch geworden war, konnte sich der Ort etwas erholen. Doch mehrere Mißernten brachten wieder Hungersnöte. Die Bevölkerung nahm so zu, daß das Land sie nicht mehr ernähren konnte. Auch das politische Unterdrückungssystem Metternichs machte den an Freiheit gewöhnten Rheinhessen zu schaffen. Viele wanderten aus wirtschaftlichen und politischen Gründen nach Südamerika oder in die Vereinigten Staaten aus.

Bis 1866 herrschte Friede, der sich segensreich auswirkte. Im Deutschen Bruderkrieg von 1866 stand Hessen auf der Seite Österreichs, und die Ockenheimer Reservisten mußten in den Krieg gegen Preußen ziehen. Doch der Krieg war schnell vorbei, und sie kamen nicht mehr in den Einsatz. Ein Ehrenmal am Friedhof erinnert noch daran.

Im Ersten Weltkrieg mußten 300 Männer an die Front. 39 kehrten nicht mehr zurück.

1918 besetzten wieder die Franzosen den Ort. Jeden Tag mußten 15 Bürger bei der französischen Kavallerie antreten und deren Pferde striegeln. Im Rahmen des Ruhrkampfes mußten 51 Eisenbahner mir ihren Familien ihre Heimat verlassen. 1933 übernahmen auch in Ockenheim die Nationalsozialisten die Macht. 1939 meldeten die Nazis "Ockenheim judenfrei". Nach der Eroberung Polens im Jahre 1939 kamen viele polnische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene nach Ockenheim. Weil sich einer mit einem deutschen Mädchen eingelassen haben soll, wurde er hingerichtet. Die SA und die im Dorf lebenden Polen, die zwangsweise zur Abschreckung teilnehmen mußten, standen bei der Exekution Spalier. Im Sterbeeintrag des Standesamtes ist als Todesursache Genickbruch vermerkt. Ein kanadischer Pilot, der sich mit dem Fallschirm aus seinem brennenden Flugzeug retten konnte, wurde von Ockenheim nach Bingen gebracht und dort gelyncht. Bei einem Fliegerangriff am 26. November 1944 waren zwölf Tote, darunter zwei Säuglinge und fünf Verletzte zu beklagen. Mehrere Häser wurden zerstört bzw. beschädigt. 51 Soldaten sind im 2. Weltkrieg gefallen oder vermißt. Hinzu kommt noch die völlige Ausrottung der jüdischen Gemeinde. Wieviel Menschen in den Vernichtungslagern umkamen, wird wohl nie ganz zu klären sein.

Nach den schweren Kriegsjahren und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland erfolgte ein kontinuierlicher Aufschwung der Gemeinde. Ockenheim durchlebte die längste Friedensperiode seiner Geschichte. Ein nie dagewesener Wohlstand ging mit dieser Friedenszeit einher. Viele neue Einrichtungen verbesserten die Lebensqualität: Bau einer Turnhalle, einer Kampfbahn, eines Feuerwehrgerätehauses, einer neuen Schule, zwei neue Kindergärten und einer Kläranlage sind der beste Beweis. Die Wasserversorgung wurde verbessert und der Ort kanalisiert sowie die Ortsstraßen neu ausgebaut. Auf dem Jakobsberg wurde eine neue Klosteranlage mit einer Jugendbildungsstätte errichtet. Busse verkehren im Stundentakt nach Bingen, ein neuer Bahnhof wurde gebaut. Die Erschließung neuer Baugebiete schuf die Grundlage für die stete Vergrößerung des Ortes. Die Einwohnerzahl stieg in den letzten 50 Jahren von 1479 auf über 2200.

1990 wurde mit der italienischen Gemeinde Povegliano eine Partnerschaft vereinbart. Im Rahmen der Verwaltungsreform der 70er Jahre waren Bestrebungen im Gange, Ockenheim nach Bingen einzugemeinden. Die Gemeinde entschied sich jedoch für ihre Selbstständigkeit und votierte für die Verbandsgemeinde Gau-Algesheim. Seit 1973 gehört der Ort nun zur dieser.

Quelle: Erich Hinkel - 1175 Jahre Ockenheim

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