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  • Ockenheim, der Weinort am St. Jakobsberg
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Geschichte & Zeittafel

1175 Jahre Ockenheim   |    Zeittafel   |    Vorgeschichte

 

1175 Jahre Ockenheim

Im Vergleich zu den anderen rheinhessischen Dörfern mit der „heim“-Endung wird Ockenheim relativ spät urkundlich erwähnt, ja es ist sogar streitig, wann Ockenheim erstmals urkundlich erwähnt wurde. Im „Prümer liber aureus“ befinden sich zwei Urkunden, die auf Ockenheim verweisen. In einer Urkunde vom 15. Oktober 823 ist von einem huccenheim die Rede. Heinrich Beyer hat die Urkunde übersetzt und den Ort Stein-Bockenheim zugeordnet, weil er den ersten Buchstaben als kleines „b“ gelesen hat. Man kann dieses kleine „b“ auch als „h“ lesen. Es is durchaus möglich, daß sich Beyer geirrt hat. Ein anderer Fehler von Beyer bekräftigt dies. So hat er in einer Urkunde vom 6. Februar 835 den Ort ucchenheim dem Ort Oggersheim zugeordnet, obwohl hier wohl zweifelsfrei Ockenheim gemeint ist. In dieser Urkunde geht es um einen Gütertausch zwischen der Abtei Prüm und Hagno, dem kaiserlichen Verwalter in Ingelheim. Franz Staab ordnet die Urkunde ebenfalls Ockenheim zu. Im Rahmen der Schenkung des sog. Binger Landes durch Kaiser Otto an Erzbischof Willigis auf dem Reichstag zu Verona im Jahre 983 kam Ockenheim zu Kurmainz und blieb dort bis 1798. Auf Grund seiner Lage an zwei wichtigen Straßen, Mainz – Kreuznach und Mainz – Trier, muß das kleine mittelalterliche Ockenheim im 14. Jahrhundert erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Jedenfalls mußten die Ockenheimer den Ort befestigen und eine Zollstation bauen. Als Gegenleistung, erhielten sie eine 10jährige Steuerbefreiung.

Am 21.Januar 1462 verpfändete Erzbischof Adolf von Mainz Ockenheim und andere Ortschaften an Markgraf Karl von Baden, zum Ersatz für die Kosten und Schäden, die sie bei der Hilfe gegen Erzbischof Diether von Isenburg erleiden würden. Markgraf Karl von Baden, gab am 29. August 1466 seine Rechte an den Grafen Philipp von Katzenelnbogen. Am 10. Juli 1480 wurde die Verpfändung durch den Mainzer Erzbischof Diether von Isenburg eingelöst, und der Ort kam verwaltungsmäßig an die Amtskellerei Algesheim, bei der er bis zur Französischen Revolution blieb. Im Rahmen der Bauernkriege im Jahre 1525 nahmen auch Ockenheimer an den Bauernaufständen im Rheingau teil. Nach der Niederschlagung der Revolte mußte das Dorf eine hohe Kollektivstrafe zahlen, die auf die Einwohner umgelegt wurde. Dieser Bauernaufstand war für den Mainzer Bischof Anlaß, seine linksrheinischen Gebiete vom Rheingau zu trennen. Im Jahre 1552 zerstörte Markgraf Albrecht von Brandenburg-Culmbach als Verbündeter von Frankreich mit 10.000 Söldnern „des heiligen römischen Reiches Pfaffengasse“ von Mainz bis Trier. Ockenheim wurde dabei in schwere Mitleidenschaft gezogen.

Im selben Jahr schloß die Stadt Bingen mit dem umliegenden Ortschaften einen Vertrag, sich in Notlagen gegenseitig beizustehen. Hierzu erschienen im Februar 1552 „vor Amtmann und Rath der Stadt Bingen genannte Personen mit ihren Wehren aus folgenden Dörfern, wie sie in Nöthen vom Richter, Bürger und Rath gefordert werden können und leisten ihr Gelübde, der Stadt mir Kriegshilfe beizustehen.

…Ockenheim soll die Dreußpforte bauen und mit vier Mann bewachen… die gesamte Mannschaft erhält in Bingen ihre Wirthshäuser und die Dörfer genießen folgende Freiheiten: Sie sind zollfrei von allen, was sie in Bingen ein- und ausführen mit Ausnahmen des Weins. An allen Pforten sind sie gleich den Bürgern frei vom Wegegeld. Kein Auswärtiger kann sie oder ihre Bürger zu Bingen arretieren. Wird eines der Dörfer betadelt, so mögen sich die Einwohner mit Leib, Gut und Vieh nach Bingen begeben und so dort Schutz erhalten gleich den Bürgern bis zur Endschaft ihrer Fehde, dann soll ihnen alles Gut, Habe und Vieh verabfolgt werden, wenn sie auch jemanden in Bingen etwas schuldig geworden wären.“ Im gleichen Jahr wurde Ockenheim weiter befestigt und mit einem neuen Wall umgeben. Das Dorf konnte nur noch über drei Pforten betreten werden. Ockenheim war offensichtlich in den Verteidigungsring um Bingen einbezogen.

1630 besetzten die Schweden den Ort und zogen erst 1636 wieder ab. Während dieser Zeit fanden mehrere Scharmützel statt, die der Bevölkerung viel Not brachten. 1631 kamen die Spanier und führten wieder die katholische Religion ein, die von den Schweden abgeschafft worden war. Zur Auslösung des gefangenen Schultheißen Pfeiffer mußte die Gemeinde 222 Thaler zahlen. 1635 kamen 16.000 Franzosen in die Ockenheimer Gegend. Der Schultheiß meldete am 30. September 1635 an das Liebfrauenstift: „Als die Franzosen vor zehn Tagen ihren Weg nach Frankreich genommen und die kaiserliche Armee ihnen nachgesetzt, haben sie unseren Flecken abermals an verschiedenen Orten in Brand gesteckt – vorher hatten sie zusammengebrannt, geplündert und Greueltaten an Menschen verübt; viele flohen mehrere Stunden weit, oder versteckten sich im Keller – also, daß wohl über 90 Häuser verbrannt ohne Ställe und Scheuer. Gott weiß, wie man sich dieser Orten ernähren soll, allenthalben verkommt viel Volk und stirbt – es war wegen des Essens unreifer Trauben eine epidemische Ruhr ausgebrochen und überall Hungersnot. Wenn vor dem Herbst kein Frieden, ist es unmöglich sich hier zu erhalten.“

Am 13. Januar 1636 berichtet er wieder: „Die Menschen in den umliegenden Orten sind zur Hälfte und noch mehr gestorben, allenthalben herum ist kein Priester mehr. Pfarrhof und Flecken bis auf acht Häuser verbrannt. Fremde Soldaten und auch Reichsvolk verderben alles. Soldaten schlagen die Leute sehr, daß Gott erbarm, man kann den Freund nicht von dem Feinde erkennen: sie respektieren keinen Schutzbrief mehr. Sonsten dieser Orten hängen noch viel Trauben, weil die Menschen so sehr sterben. Wegen Mangel der Früchten leiden sie großen Hunger. Viele graben sich im Felde Wurzeln. Wenn wir den neuen Wein nicht sollten erhalten, kann sich Niemanden im Ort des Hungers erwehren.“

Während Ockenheim 1614 noch 91 Bürger hatte, waren es 1654 nur noch 58. Obwohl der 30jährige Krieg bereits mehr als sechs Jahre vorbei war, lagen noch zwölf Wohnplätze in Schutt und Asche. Trotz schwerster Not leisten sich die Ockenheimer 1654 bereits wieder zwei neue Glocken zum Preis von 132 Reichsthalern. Kaum hatte sich der Ort etwas erholt, wütete im Jahre 1666 die Pest, welche die Bevölkerung dezimierte. Trotzdem trafen am 26. September 1666 u.a. in der Ockenheimer Gemarkung kurfürstliche Truppen der Pfalz auf Mainzer Truppen und lieferten sich eine Schlacht, in der 6.000 bis 7.000 Pfäzer fielen, die auf dem Höhenzug südlich von Ockenheim Richtung Dromersheim gelegen hatten. Zu Beginn spielten die Soldaten der Mainzer und Lothringer das Lied „O unüberwindlicher Held S. Michael“. 1689 brach Ludwig XIV. von Frankreich wegen der pfälzischen Erbfolge einen Krieg vom Zaum. Wieder litt der Ort unter Einquartierungen. Die Franzosen verwüsteten die gesamte Pfalz und Ortschaften des Kurmainzer Gebietes. Auch Ockenheim wurde teilweise niedergebrannt. Nach dem Frieden von Rjiswjik, der 1697 den Pfälzischen Erbfolgekrieg beendete, trat bis zum Ausbruch der Französischen Revolution eine gewissen Ruhe ein.

Ein bedeutsames Jahr für die Ockenheimer, das heute noch nachwirkt, war 1720. Pfarrer Caesar legte auf dem Jakobsberg den Grundstein zu einer Wallfahrtskapelle zu Ehren der 14 Nothelfer. Gleichzeitig wurde die Wallfahrt eingeführt, die sich bis heute erhalten hat. Nach der Kanonade von Valmy im Jahre 1792, nach der sich die deutschen Truppen zurückzogen, rückten die französischen Revolutionstruppen, von Landau kommen, nach Mainz vor und besetzten wiederstandslos das linksrheinische Gebiet. Sie gründeten die sogenannte Mainzer Republik, die erste Demokratie auf deutschem Boden. Es fand eine Urwahl zum Rheinisch Deutschen Nationalkonvent statt, der die Aufgabe hatte, die Angliederung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich zu beschließen. Man kann sagen, daß Ockenheim eine Hochburg der Freiheitsfreunde war. Auf dem Rathausplatz wurde ein Freiheitsbaum errichtet. Alle Wahlberechtigten hatten einen Eid auf die Freiheit zu leisten. Von 60 wahlberechtigten Bürgern nahmen 56 an der Wahl teil, die sich ausnahmslos gegen den Despotismus aussprachen. Als Deputierter für den Nationalkonvent wurde Martin Haas gewählt, der dann durch Erasmus Müller ersetzt wurde. Eine kleine Gruppe unter Führung von Pfarrer Hoch sprach sich für die Erhaltung der alten Ordnung aus. Wer sich für die Despotie entschied – so die damalige Lesart – mußte das Land verlassen.

Am 27. Februar 1793 um vier Uhr nachmittags, wurde der Pfarrer durch vier französische Reiter (Chausseurs) aus dem Pfarrhaus abgeholt und nach Mainz gebracht, weil er sich weigerte, den Eid auf die Grundsätze der Freiheit zu leisten, „was er nicht konnte und nicht wollte“, wie er selbst im Pfarrbuch vermerkte. Der Anschluß an Frankreich wurde jedoch nicht wirksam, weil die Preußen unser Gebiet wieder besetzten. Die Festung Mainz fiel wieder in die Hand der Deutschen. Die Ockenheimer mußten dort Schanzarbeiten leisten. Doch nun war Ockenheim im Vorfeld der Mainzer Festung immer wieder von den Truppen besetzt, und es mußten Fouragelieferungen und Hand- und Spanndienste geleistet werden. Das Hin und Her der Kampfhandlungen ruinierte alle Ortschaften unseres Gebietes.

Erst 1798, als die Franzosen aufgrund des Vertrags von Campo Formio unser Gebiet in Besitz nahmen, trat eine gewissen Ruhe ein. Die französische Verwaltung verstand es, die großen Kriegsschäden zu mildern und eine moderne Verwaltung in den rheinhessischen Dörfern einzuführen. So wurden das Gerichtswesen rechtsstaatlich organisiert, der Code Civil als modernes bürgerliches Gesetzbuch eingeführt und die Standesämter eingerichtet. Das Schulwesen wurde neu organisiert und verbessert. Lediglich das Consriptionsverfahren machte den Ortschaften zu schaffen. Die Wehrpflichtigen mußten sieben Jahre in Napoleons Armee dienen.

Nach dem Fiasko in Rußland wurde der Kaiser 1814 geschlagen. Die rückkehrenden Truppen durchzogen unser Gebiet und brachten Epidemien mit, die auf die Bevölkerung übergriffen. Wieder mußten Lebensmittel und Fourage geliefert und die Soldaten einquartiert werden. Nachdem die Verbündeten die Kaiserlichen zurückgetrieben hatten, verlangten diese die entsprechenden Leistungen. Es machte für die Bevölkerung keinen Unterschied, ob sie Franzosen oder andere Truppen versorgen mußten. Nachdem Ockenheim 1816 hessisch geworden war, konnte sich der Ort etwas erholen. Doch mehrere Mißernten brachten wieder Hungersnöte. Die Bevölkerung nahm so zu, daß das Land sie nicht mehr ernähren konnte. Auch das politische Unterdrückungssystem Metternichs machte den an Freiheit gewöhnten Rheinhessen zu schaffen. Viele wanderten aus wirtschaftlichen und politischen Gründen nach Südamerika oder in die Vereinigten Staaten aus.

Bis 1866 herrschte Friede, der sich segensreich auswirkte. Im Deutschen Bruderkrieg von 1866 stand Hessen auf der Seite Österreichs, und die Ockenheimer Reservisten mußten in den Krieg gegen Preußen ziehen. Doch der Krieg war schnell vorbei, und sie kamen nicht mehr in den Einsatz. Ein Ehrenmal am Friedhof erinnert noch daran.

Im Ersten Weltkrieg mußten 300 Männer an die Front. 39 kehrten nicht mehr zurück.

1918 besetzten wieder die Franzosen den Ort. Jeden Tag mußten 15 Bürger bei der französischen Kavallerie antreten und deren Pferde striegeln. Im Rahmen des Ruhrkampfes mußten 51 Eisenbahner mir ihren Familien ihre Heimat verlassen. 1933 übernahmen auch in Ockenheim die Nationalsozialisten die Macht. 1939 meldeten die Nazis „Ockenheim judenfrei“. Nach der Eroberung Polens im Jahre 1939 kamen viele polnische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene nach Ockenheim. Weil sich einer mit einem deutschen Mädchen eingelassen haben soll, wurde er hingerichtet. Die SA und die im Dorf lebenden Polen, die zwangsweise zur Abschreckung teilnehmen mußten, standen bei der Exekution Spalier. Im Sterbeeintrag des Standesamtes ist als Todesursache Genickbruch vermerkt. Ein kanadischer Pilot, der sich mit dem Fallschirm aus seinem brennenden Flugzeug retten konnte, wurde von Ockenheim nach Bingen gebracht und dort gelyncht. Bei einem Fliegerangriff am 26. November 1944 waren zwölf Tote, darunter zwei Säuglinge und fünf Verletzte zu beklagen. Mehrere Häser wurden zerstört bzw. beschädigt. 51 Soldaten sind im 2. Weltkrieg gefallen oder vermißt. Hinzu kommt noch die völlige Ausrottung der jüdischen Gemeinde. Wieviel Menschen in den Vernichtungslagern umkamen, wird wohl nie ganz zu klären sein.

Nach den schweren Kriegsjahren und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland erfolgte ein kontinuierlicher Aufschwung der Gemeinde. Ockenheim durchlebte die längste Friedensperiode seiner Geschichte. Ein nie dagewesener Wohlstand ging mit dieser Friedenszeit einher. Viele neue Einrichtungen verbesserten die Lebensqualität: Bau einer Turnhalle, einer Kampfbahn, eines Feuerwehrgerätehauses, einer neuen Schule, zwei neue Kindergärten und einer Kläranlage sind der beste Beweis. Die Wasserversorgung wurde verbessert und der Ort kanalisiert sowie die Ortsstraßen neu ausgebaut. Auf dem Jakobsberg wurde eine neue Klosteranlage mit einer Jugendbildungsstätte errichtet. Busse verkehren im Stundentakt nach Bingen, ein neuer Bahnhof wurde gebaut. Die Erschließung neuer Baugebiete schuf die Grundlage für die stete Vergrößerung des Ortes. Die Einwohnerzahl stieg in den letzten 50 Jahren von 1479 auf über 2200.

1990 wurde mit der italienischen Gemeinde Povegliano eine Partnerschaft vereinbart. Im Rahmen der Verwaltungsreform der 70er Jahre waren Bestrebungen im Gange, Ockenheim nach Bingen einzugemeinden. Die Gemeinde entschied sich jedoch für ihre Selbstständigkeit und votierte für die Verbandsgemeinde Gau-Algesheim. Seit 1973 gehört der Ort nun zur dieser.

Quelle: Erich Hinkel – 1175 Jahre Ockenheim

 

Zeittafel

823 – Älteste urkundliche Erwähnung des Ortes ‚Huccunheim‘ der Abtei Prüm.

983 – Reichstag zu Verona; Kaiser Otto II. unterstellt das sogenannte Binger Land an Erzbischof Willigis. Zu diesem Binger Land gehörte auch Huccunheim und verblieb beim Mainzer Kurstaat bis zur Französischen Revolution.

1172 – Umbenennung von ‚Huccunheim‘ in ‚Uckenheim‘.

1211 – Ein Heinrich von Uckenheim erhält ein Burglehen.

1299 – Erstmalig der Ortsname Ockenheim in der heutigen Form genannt.

1325 – Patronats- und Zehntherr ist das St. Andreasstift von Köln.

1462 – Verpfändung von Ockenheim durch Erzbischof Adolf von Mainz an den Markgrafen von Baden.

1466 – Weiterverpfändung an den Grafen von Katzenellenbogen; Ockenheim wird der Amtskellerei Algesheim zugeteilt.

1480 – Einlösung der Verpfändung durch den Mainzer Erzbischof; Ockenheim verbleibt bis 1798 dort.

1552 – Schutzbündnis mit Bingen: Ockenheimn verpflichtet sich mit 4 Mann die Drayspforte zu besetzten und zu unterhalten; die Ockenheimer können den Binger Markt frei beliefern und finden im Kriegsfall Schutz in der Stadt.

1552 – Der Ort wird befestigt und mit Wällen umgeben; das Mainzer Tor, die Kirchpforte und die Kuhpforte werden erbaut.

1630 – Die Schweden besetzen den Ort.

1631 – Die Spanier besetzen den Ort; Schultheiß Pfeffer wird gefangengesetzt und in den Rheingau verbracht; er wird für 333 Thaler freigekauft.

1635 – Die Franzosen verwüsten den Ort.

1636 – Das Dorf hatte nur noch 8 Häuser und 36 Einwohner.

1654 – Es gibt nur noch 54 Einwohner.

1660 – Nach langem Streit wurde das Liebfrauenstift in Mainz verurteilt Chor und Turm der Pfarrkirche zu unterhalten.

1666 – Die Pest dezimiert die Bevölkerung.

1689 – Die Franzosen zerstören in Folge des pfälzischen Erbfolgekrieges den Ort. 3813 Gulden mußten als Contribution gezahlt werden.

1720 – Pfarrer Blasius Cäsar beginnt mit dem Bau der 14 Nothelfer-Kapelle und die Nothelfer-Wallfahrt wird eingeführt.

1769 – Das Liebfrauenstift zu Mainz will 2000 Gulden für den Bau der Pfarrkirche beisteuern. Die Gemeinde besteht jedoch auf der Kirchbaupflicht des Stiftes.

1772 – Das Liebfrauenstift wird erneut verurteilt, die Kosten für Chor und Turm zu tragen.

1774 – Unter Pfarrer Franz Bernhard Hoch wird der Bau der heutigen Pfarrkirche begonnen.

1777 – Es wird eine Orgel von der Orgelbaufirma Stumm angeschafft.

1779 – Die Pfarrkirche wird eingeweiht.

1780 – Von der Pfarrkirche zu Gernsheim wird der Altar gekauft.

1798 – Der Ort kommt zu Frankreich und wird mit Dromersheim eine gemeinsame Mairie (Bürgermeisterei), Kanton Bingen, Departement Mont Tonnere.

1812 – Der Dorfgraben wird eingeebnet und das Mainzer Tor niedergelegt.

1815 – Ockenheim zählt 549 Einwohner (erste statistisch gesicherte Zahlen)

1819 – Letzte Bewachung auf der Kirchpforte.

1851 – Nothelfer-Kapelle wurde wegen Baufälligkeit niedergelegt.

1857 – Grundsteinlegung der heutigen Nothelfer-Kapelle.

1862 – Konsekration der Nothelfer-Kapelle durch den Mainzer Bischof Freiherr Emanuel von Ketteler (Bischof von 1850 bis 1877).

1863 – Die Gebeine des Pfarrers Caesar, Erbauer der ersten Kapelle auf dem Jakobsberg werden in der dortigen Kapelle beigesetzt.

1864 – Das an die Wallfahrtskapelle angrenzende Wohnhaus wird erbaut.

1866 – Ockenheimer Männer werden zum Krieg gegen Preußen eingezogen.

1866 – Unter der Leitung des Bürgermeisters Kaiser wird ein Männergesangverein gegründet; es ist der älteste Orstverein.

1866 – Einführung der Portugieser-Rebe (Oporototraube) in Rheinhessen durch W.Rasch (Weingut Merz). Von hier verbreitete sich die Rebe über ganz Rheinhessen.

1868 – Männergesangsverein 1866 legt sich eine Vereinsfahne zu.

1870 – 23 Ockenheimer werden zum Krieg gegen Frankreich eingezogen.

1880 – Gründung des katholischen Kirchenchores.

1887 – Gründung des Kriegsfeuerwehrbundes, dem Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr.

1889 – Gründung einer Feuerwehrkapelle unter Dirigent Förster aus Bingen.

1893 – Gründung der Spar- und Darlehenskasse Ockenheim e.G.m.b.H.

1893 – Ockenheim erhält eine Wasserleitung.

1895 – Gründung des Turnvereins.

1897 – Gründung des Krieger- und Soldatenvereins.

1900 – Ockenheim zählt 1.249 Einwohner

1902 – Ockenheim erhält eine Bahnverbindung.

1903 – Gründung des Winzervereins.

1903 – Gründung Männergesangsvereins Einigkeit.

1904 – Errichtung des Kriegerdenkmals zum Gedenken an die Teilnehmer und die Gefallenen der Kriege 1866 und 1870/71.

1904 – Bau der neuen Volksschule in der Mainzer Straße.

1905 – Gründung der Katholischen Kirchenmusik.

1910 – Gründung des Sportvereins Fidelia Ockenheim.

1912 – Ockenheim erhält elektrisches Licht.

1914 – 1918 – Am ersten Weltkrieg mussten über 300 Ockenheimer Männer teilnehmen; 39 kehrten nicht mehr nach Hause zurück.

1919 – Anpflanzung des Vogelschutzgeländes unterhalb der 14 Nothelfer-Kapelle durch Valentin Hüneborn, 1. Vorsitzender des früheren Obst- und Gartenbauvereins.

1920 – Gründung des Verbandes der Kriegsgeschädigten – Ortsgruppe Ockenheim.

1921 – Gründung des Trappistenklosters auf dem Jakobsberg.

1922 – Das Wirtschaftsgebäude auf dem Jakobsberg wird gebaut.

1923 – Gründung des Bauernvereins.

1923 – Ausweisung von 51 Eisenbahnerfamilien ins unbesetzte Deutschland anläßlich des Ruhrkampfes.

1933 – Bau der Pilgerhalle auf dem Jakobsberg.

1935 – Bau des Kriegerehrenmales.

1939 – 1945 – Zweiter Weltkrieg: Mehr als 400 Kriegsteilnehmer mit insgesamt 102 Gefallenen bzw. Vermißten sind zu verzeichnen; 12 Ockenheimer wurden durch Fliegerangriffe getötet; mehrere Häuser und die Kleinkinderschule wurden zerstört.

1945 – Der Ort wird von Truppen der 3. amerikanischen Armee besetzt.

1947 – Klosterneubau auf dem Jakobsberg.

1950 – Gründung des Heimkehrerverbandes – VDH.

1950 – Ockenheim zählt 1.536 Einwohner.

1951 – Anstelle der Trappisten übernehmen die Jesuiten aus der Ostprovinz das Kloster laut Pachtvertrag für 10 Jahre.

1961 – Nach Ablauf des Pachtvertrages geht das Kloster in den Besitz der Missionsbenediktiner von St. Ottilien über. Zum Prior wird Pater Emmanuel Würtz berufen.

1961 – 1962 – Innere Restaurierung der Pfarrkirche durch den Kirchenmaler Schubert aus Karlstadt am Main.

1962 – Die Bahn stellt die Stückgutbeförderung ein.

1962 – Die Mitglieder des Turnvereins beginnen in Eigenleistung mit dem Bau der Turnhalle.

1962 – Mit der Bebauung des Bereiches Bergstraße/Dammweg wird die Ortslage bis hoch zum St. Jakobsberg (unterhalb des Klosters) erweitert.

1963 – Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz genehmigt das Ockenheimer Wappen.

1964 – Nach dem Abschluss der Bauarbeiten wird die vereinseigene Halle des TVO eingeweiht.

1964 – Renovierung des Priesterhauses mit Errichtung eines neuen Turmes auf der Nothelfer-Kapelle. Aufbau des Volksaltares.

1966 – Gemeindekassenverwalter Lorenz Reckert wird erster hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde.

1967 – Kanalisation und Ortsstraßen werden ausgebaut; die Wasserleitung wird erneuert.

1967 – Zwischen der Ortslage und der Bahnlinie entsteht das Neubaugebiet ‚Ockenheim-Nord‘.

1969 – Die Landkreise Bingen und Mainz werden zum Landkreis Mainz-Bingen zusammengelegt.

1972 – Einweihung der neu erbauten Friedhofskapelle.

1973 – Im Zuge der Verwaltungsreform kommt Ockenheim zur Verbandgemeinde Gau-Algesheim.

1973 – Restaurierung der 14 Nothelfer-Kapelle abgeschlossen.

1974 – Landrat Dr. Heribert Bickel verleiht im Auftrag des Herrn Bundespräsidenten Gustav Heinemann dem Ockenheimer Bürger Georg Helmerich für sein, seit dem Jahre 1964 engagiertes Wirken in den Gremien des Landkreises Mainz-Bingen das Bundesverdienstkreuz am Bande.

1974 – Neubau des Pfarrhauses.

1978 – Bahnhof wird geschlossen.

1978 – Das von der Verbandsgemeinde erbaute Feuerwehrgerätehaus wird eingeweiht.

1978 – Der Kirchturm wird instandgesetzt.

1979 – Heimatmuseum wird eröffnet.

1979 – Als Nachfolger von Prior Emmanuel Würz steht Prior Anselm Zeller der Klostergemeinschaft auf dem Jakobsberg vor.

1980 – Pfarrer Josef Grimm wird aus Pfarrei Ockenheim verabschiedet. Er wird nach Schwabenheim versetzt, die Betreuung der Ockenheimer Pfarrei übernehmen die Benediktinerpatres vom Kloster Jakobsberg. Als erster Pfarrverwalter wird Pater Winfried Mayr eingesetzt.

1980 – Erneuerung der Empore in der Pfarrkirche.

1980 – Renovierung der Orgel.

1980 – Richtfest für den Neubau des katholischen Kindergartens.

1980 – Spatenstich für den Neubau des Klosters Jakobsberg.

1981 – Einweihung des Neubaus des katholischen Kindergartens.

1982 – Gründung des Vereins der Heimatfreunde durch den Rektor der Grundschule, Herrn Guido Olschowka. (Heimatmuseum)

1983 – Einweihung des Klosterneubaus auf dem Jakobsberg.

1983 – Abschluß der Renovierung der Orgel.

1983 – Fertigstellung des umgebauten Gemeindehauses.

1984 – Umbau des alten Kindergartens zum Georg-Weingärtner-Haus.

1990 – Einweihung des neuen Sportplatzes „Auf dem Kissel“.

1990 – Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen der Gemeinde Povegliano (Provinz Verona/Italien) und der Gemeinde Ockenheim.

1991 – Fahnenweihe des Männergesangsvereins 1866 mit 125jährigem Jubiläum.

1991 – Pater Franziskus Köller tritt als Prior die Nachfolge von Pater Anselm Zeller an. Dieser hat sich für die Leitung einer Missionsstation in Afrika entschieden.

1991 – Mit dem Anschluss an die Gasversorgung geht auch die Breitbandverkabelung einher.

1992 – Einweihung des Bildungshauses St. Bonifazius auf dem Jakobsberg.

1992 – Pfarrkirche wird von Grund auf restauriert.

1992 – Stadtbusanbindung an die Stadt Bingen am Rhein.

1993 – Einweihung des neu errichteten Sportlerheims auf dem Kissel.

1993 – Mit der Bebauung des ehemaligen Sportplatzgeländes wird der Ortsbereich ‚Ockenheim-Nord‘ erweitert; die Erschließungsstraße wird nach der italienischen Partnergemeinde ‚Povegliano‘ benannt.

1994 – Der Gemeindekindergarten wird eröffnet.

1994 – Erstmals wird der Bürgermeister in einer Direktwahl gewäht. Horst Dorée wird wiedergewählt.

1994 – Pater Ludger Schäffer wird als Prior des Klosters St. Jakobsberg eingesetzt.

1996 – Die Pfarrkirche erhält ein neues Geläute mit 5 Glocken.

1996 – Der Bahnhofsbereich wird neu gestaltet und als Haltepunkt wieder in Betrieb genommen.

1996 – Der ehemalige Prior Anselm Zeller wird Abt der Benediktinerabtei Fiecht in Tirol.

2000 – Ockenheim zählt 2.249 Einwohner

2003 – Das Neubaugebiet ‚Altscheuer‘ wird zur Bebauung freigegeben. Damit steuert Ockenheim auf 3000 Einwohner zu.

2003 – Der Kirchplatz wird neu gestaltet; Marienfigur entworfen und gefertigt von der Benediktiner-Schwester Christophora.

2003 – Prior Ludger Schäffer wird zur Benediktinerabtei St.Ottilien zurückberufen; seine Nachfolge auf dem Jakobsberg tritt Pater Aurelian Feser an. Pater Aurelian, ein ‚Ockenheimer Bub‘ stammt aus dem Weingut Vitus Feser (Erbhof).

2004 – Nach 15-jähriger Amtszeit steht Horst Dorée für das Amt des Bürgermeisters nicht mehr zur Verfügung. Sein Nachfolger wird Reinhard Dickenscheid.

2004/2005 – Sonja Bauer trägt die Krone der Rheinhessischen Weinprinzessin.

2005 – Dem vielfältig engagierten Ockenheimer Bürger Dieter Bungert wird für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten vom Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

2006 – Der Männergesangverein 1866, zwischenzeitlich um einen Frauenchor erweitert, feiert sein 140-jähriges Bestehen.

 

Vorgeschichte bis zur ersten urkundlichen Erwähnung 823

wesentlich nach Prof. Staab im Buch „Der Jakobsberg“ Band 2

Eine genauere Erläuterung der vorurkundlichen Zeit und auch der Gründung von Ockenheim ist nur durch archäologische Funde aus der Römer-, Alemannen- und Merowingerzeit (ca. 70 v. Chr. -751 n. Chr.) möglich. Doch sind bis jetzt keine für eine Aussage wesentliche hier gefunden oder bekannt geworden. Deshalb ist man auf Vergleiche mit anderen Orten der Region angewiesen.

Römerzeit

Im 4 Jahrhundert führte eine Römerstrasse durch Ockenheimer Gebiet.

Karte - Römerstrasse durch Ockenheimer Gebiet

Von Bad Kreuznach kommend mündete sie nahe Ingelheim in die Römerstrasse die von Mainz über Bingen nach Trier bzw. Köln führte.

Römische Münzen Ockenheim

Nach Guido Olschowka (Historisches Ockenheim Band 1 S. 87) soll 1930 Philipp Jakobs Ochs I. im Obersten Gau Algesheimer Weg Steine der Römerstrasse gefunden haben.

Fundstelle in Ockenheim Karte1

Dies legt den Schluss nahe, dass die Streckenführung ungefähr dem heutigen Radweg vom Antoniuskapellchen (nahe dem Sportgelände) nach Gau-Algesheim entsprach.

Fundstelle in Ockenheim

Gemarkung Oberster Gau-Algesheimer Weg

Gründung von Ockenheim

Aufgrund von Bodenfunden in anderen –heim-Orten in Rheinhessen wurde belegt, dass diese Siedlungen erst zwischen 500 – 700 entstanden sind.

Von der Namensform her, der Bildung aus einem Personennamen Ucco (Occo) und angehängtem -heim, ist die Entstehung eher in der ersten, als in der zweiten Hälfte der angesprochenen Periode von 500 bis 700 zu vermuten, Ucco beziehungsweise Occo (Hugo)gehört zu den selteneren, aber doch auch sonst bezeugten Personennamen der fränkischen Zeit.

Das Prümer Gut

Für das 9. Jahrhundert erlauben uns die Quellen einen ausgezeichneten Einblick in die Funktion Ockenheim im Rahmen der grundherrschaftlichen Organisation der Abtei Prüm, die uns dabei als ein agrarisch-gewerblicher »Großkonzern« entgegentritt. Im Jahre 823 haben die Mönche zwei Teile eines Morgens Land in Ockenheim ertauscht, wobei allem Anschein nach ein dort bereits vorhandener Besitz abgerundet werden sollte. Im Liber areus, eine Sammlung von Abschriften von Urkunden in Buchformat, entstanden im 11. und 12. jahrhundert, befindet sich in Folie 17b (Herstal, 823 Oktober 15) die älteste Erwähnung. Der Liber aureus liegt im Stadtarchiv Trier.

Übersetzung der Urkunde von Prof. Staab aus Der Jakobsberg Band II S. 175

Rand-Inskription: Urkunde des Herrn Kaisers Ludwig über den Tausch, den Abt Tankrad und Fulbert gemacht haben.

Überschrift: Urkunde, die Herr Kaiser Ludwig über jenen Tausch erließ, den Abt Tankrad und Fulbert gemacht haben.

Urkunde: Im Namen des Herrgotts und unseres Erlösers Jesu Christi, Ludwig, durch die Bestimmung der göttlichen Vorsehung erhabener Kaiser: Wenn wir das, was die Getreuen unseres Reiches um ihres Vorteils willen tauschen, mit unseren Edikten bestätigen, so folgen wir kaiserlichem Brauch und wollen, dass es in Zukunft mit beständigster Rechtskraft bestehen bleibe.

Deshalb möge die Klugheit aller unserer Getreuen, der gegenwärtigen, wie der zukünftigen, wissen, dass ein ehrwürdiger Mann, der Abt Tankrad aus dem Kloster, das Prüm genannt wird und zu Ehren unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus erbaut ist, uns eröffnete, er habe mit einem Mann namens Fulbert über einige Güter zum Vorteil für beide Parteien einen Tauschvertrag abgeschlossen. Es gab also der vorgenannte ehrwürdige Mann Tankrad aus dem Vermögen des vorgenannten Klosters zugleich mit Zustimmung und Erlaubnis der Mönche, die dort leben, dem genannten Fulbert, damit er sie zu dauerndem Eigentum besitze, einige Güter, die im Wormsgau liegen in dem Dorf, das Flonheim genannt wird: zwei Hufen mit Häusern, Gebäuden, Land, Weinbergen, Wiesen, Wäldern, .Weiden, Zubehör, Zufahrt und Ausfahrt, beziehungsweise insoweit er sie in demselben Dorf als Vermögen des vorgenannten Klosters zur Zeit rechtmäßig und bekanntermaßen besitzt. Und anderer¬seits gab zum Ersatz für diese Güter der vorgenannte Fulbert aus seinem Eigentum dem vorgenannten Kloster und der ganzen Gemeinschaft, die dort durch die Zeiten Gott dient, einige Güter, die im gleichen Gau liegen: in dem Dorf, das Grolsheim genannt wird, eine Hufe und in einem andern Dorf, das Weiler heißt, eine Hufe und an einem dritten Ort, in dem Frei-Laubersheim genannten Dorf, einen Hof gleichermaßen, und an einem vierten Ort, in dem Dorf, dessen Name Ockenheim lautet, zwei Teile eines Morgens mit ihren Grenz- und Seitenmarkierungen; diese Güter aber mit Häusern, Gebäuden, Land; Weinbergen, Wiesen, Wäldern, Weiden, Zubehör, Zufahrt und Ausfahrt, beziehungsweise insoweit er sie an den vorgenannten Orten zur Zeit rechtmäßig und bekanntermaßen besitzt. Darüber, versicherte er, habe er zwei Tauschurkunden, die mit gleichem Inhalt niedergeschrieben und durch die Hände guter Männer bezeugt sind, zur Hand. Aber aus Gründen vollkommener Rechtssicherheit flehte er unsere Erhabenheit an, wir möchten diese Tauschdokumente nochmals mit einer Urkunde unserer Milde bestätigen.

Diese Wünsche wollten wir nicht ablehnen, sondern, wie wir es bei allen unseren Getreuen tun, die eine gerechte Bitte vorbringen, erkennt nun, dass wir auch diese gewährt und bestätigt haben. Also befehlen und bestimmen wir, dass was die eine Partei der anderen rechtmäßig und vernünftig übertragen hat, sie dieses fürderhin aufgrund unserer Urkunde mit beständigster Rechtskraft innehabe und besitze.

Und damit diese Urkunde in zukünftigen Zeiten unverbrüchliche Rechtskraft behalte und von allen leichter geglaubt und eingehalten werde, haben wir befohlen, dass sie mit dem Abdruck unseres Siegelrings bezeichnet werde.

Nach der Urkunde von 886 wurde einem gewissen Hartman aus dem Prümer Besitz in Ockenheim ein Salhof (Herrenhof) mit Haus, Scheuer, Speicher und Nebengebäuden, sowie den zugehörigen Äckern, Wingerten, auch den Wiesen- und Waldanteilen überlassen

Folie 83b und 84a (Prüm, 886 Februar 26)

Abt Ansbald von Prüm und sein Konvent geben einem gewissen Hartmann genannte Besitzungen darunter Ockenheim des Klosters im Worms-, Einrieh-, Lahn- und Auelgau zusammen mit den von Hartmann dem Kloster übertragenen Gütern im Odan- und im Ahrgau prekarisch zu lebenslanger Nutznießung.

Ausschnitt und Übersetzung der Urkunde von 886

Im Prümer Urbar, einem Güterverzeichnis des Benediktinerklosters Prüm in der Eifel, wurden im Jahre 893 alle Rechte und Einkünfte aus den zahlreichen Besitzungen des Klosters dokumentiert.
Das Original entstand unter Abt Regino von Prüm und ist nicht überliefert. 1222 fertigte der Exabt Caesarius von Milendonk eine Abschrift an, die er mit eigenhändigen Ergänzungen und Kommentaren versehen hat. Der Umfang beträgt 57 Seiten, untergliedert in 118 Kapitel. Diese Bearbeitung ist erhalten im Landeshauptarchiv Kob-lenz.

Im Kapitel 117 lernen wir die abhängigen Höfe von Ockenheim kennen. Eine Beschreibung des Salhofs fehlt darin, woraus sich schließen lässt, dass er weiterhin von dem erwähnten Hartman genutzt wurde.

Text im Prümer Urbar (kursiv) mit eingefügten Erläuterungen

In Ockenheim besaß Prüm 893 16 Servilmansen, (Eine Manse; lateinisch mancipium‚ Besitz, ist eine mittelalterliche Bezeichnung für eine unselbstständige landwirtschaftliche Erwerbseinheit (Hof oder Bauernstelle), die einem Herrenhof uder Salhof (curtem dominicalis) untergeordnet und diesem Abgaben pflichtig war. Eine Manse wird mit 40 Morgen a ca. 2500 qm gerechnet. Da die Größe eines Morgens auch wesentlich kleiner sein kann, kann man wohl annehmen, dass die Fläche der 16 Mansen zwischen 80 und 100 ha lag)
Einen davon hatte Hunfrid, einen Ratar. Ein gewisser Facuit hatte vier. Jeder zahlte eine Fuhre Holz und eine Fuhre für die Weinberge, ein Huhn, zehn Eier, ein Lamm zum Johannstag (24. Juni) im Wert von zehn Denaren. Zwei Tage arbeiteten sie in den Weinbergen: einen beim Rebenschneiden, den anderen beim Umgraben. Pro Jahr leisteten sie zweimal 14 Nächte und bauten dreimal Zäune (glabas) um den Herrenhof. Zur Ernte und Heumahd stellten sie zwei Manzipien (Knechte), zur Weinlese eins. Jeder drosch fünf Scheffel Korn (Scheffel = Gefäß für 50l) (annona) und brachte sie nach Bingen. Je zwei brachten eine Fuhre Wein (Fuhre = Fuder = 800-900l) nach Bingen. Zusammen schickten sie ein Rind (bovem) in den Herrenhof. Fünf der 16 Servilmansen von Ockenheim zahlten ein Lamm zu je zehn Denaren. Den übrigen Dienst verrichteten sie wie die vorgenannten. Vier der 16 zahlten ein Lamm im Wert von zwölf Denaren, lieferten jedoch sonst alles wie die vorgenannten. Insgesamt gab es in Ockenheim Weinberge zu zwölf Fuhren (ca. 10.600 Liter Wein “.

Die Fläche des Prümer Gutes erscheint zunächst sehr groß. Im Vergleich mit der heutigen landwirtschaftlich genutzten Fläche von 327 ha hätte die Abtei Prüm fast ein Drittel davon in Besitz. Zu bedenken ist, dass damals die Zweifelderwirtschaft üblich war, so dass außer den Weinbergen und Wiesen Ackerland ein Jahr brach lag und auch durch die nicht ausreichende Bodenbearbeitung die Erträge wesentlich geringer waren. Die Bewohner selbst waren alle armen abhängigen Knechte
Die spätere Fürstabtei Prüm in Prüm (Eifel-Ardennen) wurde 721 von Bertrada der Älteren, der Urgroßmutter Karls des Großen gestiftet. Von dessen Eltern, Pippin dem Jüngeren und seiner Frau Bertrada der Jüngeren wurde die Abtei 752 mit Mönchen des Benediktinerordens besetzt und als Hauskloster der Karolinger neu gegründet. Der Besitz der Abtei war riesig und reichte vom Rhein bis zur Bretagne und in die Niederlande. Hun-derte Orte unter anderem in der Eifel und an der Ahr, auf dem Taunus, in der Umgebung von St. Goar, in Frankreich, Belgien und den Niederlanden sind im Güterverzeichnis der Abtei, dem Prümer Urbar, erstmals urkundlich erwähnt. Um den weitläufigen Besitz zu verwalten, waren der Abtei Prüm Vogteien und Filialklöster unterstellt. Ockenheim gehörte zu den Herren der Burg Rheinfels bei St. Goar (Grafen von Katzenelnbogen).

Ortsherrschaft

983 überträgt Kaiser Otto II. die gesamten noch verbliebenen königlichen Besitzungen und Rechte in und um Bingen an Erzbischof Willigis v. Mainz und bleibt bis 1798 dort mit der Ausnahme, dass 1462 Erzbischof Adolf von Mainz Ockenheim an den Markgrafen von Baden verpfändet und Erzbischof Dieter von Isenburg 1480 die Verpfändung einlöst.
Die Mainzer Kirchenprovinz um das Jahr 1000

Bis 1324 bestanden Eigenrechte von Grundherrn, die ihren Sitz außerhalb des Erzbistums hatten. Es selbst war in Verwaltungseinheiten eingeteilt:

9. Jahrhundert Ockenheim gehört zu Wormsgau
um 1250 steht Ockenheim unter adliger Vogtei
1379 beginnt die Herauslösung aus dem Landesverband des Rheingaues wegen öfterer
Verpfändungen
1401 zählt Ockenheim zum Amt Dromersheim
1423 gehört Ockenheim zum Amt Algesheim
1525 endgültige Trennung des Amtes Algesheim von Land Rheingau des Mainzer
Kurstaates

1175 Jahre Ockenheim   |    Zeittafel   |    Vorgeschichte

Informationsbroschüre

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Auf einen Blick

Einwohner: 2.552
Fläche: 6,03 km2
Postleitzahl: 55437
Kennzeichen: MZ
Vorwahlen: 06725
Höhe ü. NN: 261 m